Berlins Erinnerungslandschaft

Berlins Erinnerungslandschaft

July 3, 2017 German 0

Photo source: Annabel Wingfield

Berlin wird häufig als Erinnerungslandschaft bezeichnet und das mit gültigem Grund. Die zahlreichen Denkmäler, seien sie nun große und vielbesuchte Denkmäler wie das Holocaust Mahnmal und das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, oder nur eine kleine Gedenktafel. Sie haben alle dazu beigetragen, Berlins Identität als Stadt des Gedenkens zu schaffen. Laut Lehrplan des AQA A-Levels befassen sich diese Gedenkstätten überwiegend mit den Ereignissen des zweiten Weltkriegs, dem Holocaust und der Teilung Berlins während des Kalten Krieges. Wenn man Berlins Gedenkstätten betrachtet, beginnt Berlins Geschichte zu diesem Zeitpunkt; die kaiserliche Vergangenheit wird deutlich weniger betont.

Aufgrund der Anerkennung von Berlin als Erinnerungslandschaft gibt es eine starke Betonung auf das Negative, das von unzähligen Denkmälern dargestellt werden, die zumBeispiel die negativen Konsequenzen einer Diktatur erklären. Diese Denkmäler sollen wichtigen pädagogischen Zwecken dienen und sie erinnern uns alle an die Schäden, die politische Parteien auf die Gesellschaft ausüben können.  Außerdem können Denkmäler das Schuldgefühl der Deutschen wieder hervorrufen. Diese Schuld prägt stark die Identität der Deutschen und sie wird weiter durch Berlins Erinnerungslandschaft verstärkt. Folglich ist es die deutsche Identität, die “im Gegensatz zu anderen Ländern, deren Identitäten auf dem feierlichen Aufruf der französischen Revolution, der Magna Carta oder der amerikanischen Revolution liegt.” [1] In Berlin gibt es heute einen prominenten Kampf um die Erinnerung; das heisst, dass die Deutschen ein antifaschistisches oder anti-totalitäres Erbe schaffen müssen, das der deutschen Erlösungskultur dient. Darüber hinaus wurde diese Identifikation zu einem politischen Werkzeug, besonders im Hinblick auf die Europäische Union. Das Gefühl der ewigen emotionalen Schuld, das nach dem Zweiten Weltkrieg das Gewissen der deutschen Bevölkerung durchdrang, wurde schnell als Symbol für die wiederhergestellte Menschlichkeit der Europäischen Union markiert. In späteren Jahren wurde der Mauerfall ein Symbol für ein Europa, indem man sich frei bewegen konnte. Infolgedessen haben diese Denkmäler eine größere politische Funktion jenseits der lokalen und nationalen Ebene.

Die Frage der Politik erlaubt die Diskussion über den wahren Wert der Denkmäler. Ob privat oder staatlich finanziert ist im Grunde egal, es ist ja klar, dass die Politik eine wichtige Rolle bei der Platzierung und dem Inhalt einer Gedenkstruktur spielt. Viele Kommentatoren in diesem Bereich verurteilen diese beherrschte Vergangenheit, mit einem Schwerpunkt auf ausgewählte Erinnerungen, die diese Denkmäler darstellen, sowie die Kommerzialisierung der Erinnerung. Im Mai bei einer Klassenfahrt in Berlin war es mir klar, dass es verständlicherweise einen kommerziellen Aspekt an den Gedenkstätten gibt. Das war besonders auffallend im Reichstag und im Mauermuseum, jedoch glaube ich nicht, dass dies die Legitimität der bereitgestellten Information verringert. Ich persönlich dachte, dass, in Bezug auf die Bereitstellung von kulturellen und historischen Informationen, einige der besten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, die wir besuchten, der Reichstag, die AusstellungFragen an die deutsche Geschichte’ und Hohenschönhausen am interessantesten waren. Die Möglichkeit, Führungen im ehemaligen Stasi- Gefängnis von Leuten zu haben, die vorher eingesperrt wurden bot einen erhellenden Einblick in das Leben der politisch Verfolgten während des Kalten Krieges.

Berlins Geschichte wird weitgehend vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Nicht nur wegen des politischen Drucks der Europäischen Union, sondern auch durch die Schuld, die Deutschlands Erlösungskultur verursachte, ist meiner Meinung nach die Verwendung von Gedenkstätten nicht übermäßig kommerzialisiert oder politisch in Berlin voreingenommen. Die bereitgestellten Informationen sind interessant und informativ, deshalb, auch wenn man kein angehender Historiker ist, würde ich eine Reise zu dieser multikulturellen Hauptstadt empfehlen.

Annabel Wingfield

[1] K. H. Jarausch, ‘Memory Wars: German debates about the legacy of dictatorship’, in J. A. Williams Berlin since wall’s end: Shaping society and memory in the German metropolis since 1989, (Newcastle: Cambridge Scholars, 2008), p.108.

Original text: ‘in contrast to other countries, whose identities rest on celebratory invocation of the French Revolution, the Magna Carta or the American Revolution.’